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Mit Feuer und Wasser.

Dies ist die Legende der Zwerge, wie die Kenntnis der Bearbeitung von Eisen zu ihnen kam:

Es begab sich, dass der Gott Bragon zusammen mit Ronagan durch die unberührte Welt schritt. Plötzlich kamen sie an eine Küste, die ihnen unbekannt war und erblickten eine wunderschöne Meerjungfrau, die auf einem Felsen am Wasser weilte. Bragon war von der Schönheit des Geschöpfes so angetan, dass er sich ihr vorsichtig nähern wollte. Ronagan, der ihm folgte, fragte Bragon, was er beabsichtige zu tun. Doch Bragon bedeutete ihm, ruhig zu sein. Die Meerjungfrau jedoch, die der Stimmen gewahr wurde, entgleitete ins Wasser und ward nicht mehr gesehen.

Dies erzürnte Bragon sehr, da sich die Schönheit der Meerjungfrau in sein Gedächtnis eingebrannt hatte und er nicht mehr davon los kam. Er wandte sich an Ronagan und machte ihn mit gar wüsten Worten verantwortlich für ihr Verschwinden. Ronagan versuchte ihn zu besänftigen und sagte, dass er hier an dieser Stelle bleiben wolle, um auf die Rückkehr der Meerjungfrau zu warten. Sollte sie zurückkehren, würde er zu ihm eilen und ihm davon berichten.

Kaum hatte er zu Ende gesprochen, verschwand Bragon und ließ Ronagan zurück. Viele Tage wartete Ronagan vergebens an diesem Ort. Die Zeit verstrich unaufhaltsam, Wochen und Monate vergingen, ohne dass die Meerjungfrau zurückkehrte. Er wollte sein Vorhaben schon aufgeben und voller Reue zurückkehren, um sein Versagen einzugestehen, als unerwartet Tanora auf einem weißen Einhorn heranritt. Da Ronagan nicht wusste, was dies zu bedeuten hatte, trat er leise hinter einen Felsen, um heimlich zu beobachten, was geschehen würde. Er sah, wie Tanora von dem weißen Hengst herabstieg und ihn liebevoll liebkoste, woraufhin sie sich zum Wasser begab. Dort verwandelte sie sich in die Meerjungfrau, auf die Ronagan gewartet hatte und setzte sich auf eben den Stein, auf dem sie vor so langer Zeit bereits gesessen hatte. Das Einhorn hingegen, bäumte sich voll Ungestüm auf und stürmte davon.

Ronagan, dem die lange Zeit des Wartens über alle Maße verärgert hatte, ersann Rache. Er schlich hinfort und eilte zu Bragon. Er berichtete ihm, dass die Meerjungfrau zurückgekehrt sei. Doch befürchte er, dass er sich ihr nicht nähern könne, wenn er in seiner wahren Gestalt ihr gegenüber stehen würde. Er riet ihm, sich in ein weißes Einhorn zu verwandeln, auf dass sich die Meerjungfrau nicht fürchte.

Und so geschah es. Bragon in seiner veränderten Gestalt, ritt an die Meerjungfrau heran, welche immer noch auf dem Felsen saß und auf ihren Gefährten wartete. In der Annahme, dass dies ihr Freund sei, umarmte sie ihn voll Freude und sie verbrachten viele Stunden zusammen, in denen sie ihren Gefühlen freien Lauf ließen. Glücklich war die Zeit, die sie zusammen verbrachten, doch Bragon grämte sich, dass er seine Geliebte hintergehen würde, weil er sich ihr nicht in seiner wahren Gestalt zeigte. So gab er sich ihr in seiner Herrlichkeit zu erkennen. Als Tanora ihn erkannte, erstarb das Glück in ihren Augen und Zorn nahm seinen Platz ein. Auch sie zeigte ihr wahres Gesicht und mit Hass in ihrer Stimme warf sie Bragon vor, sie hintergangen zu haben. Keine Worte konnte sie beruhigen und in ihrem Zorn ließ sie einen Sturm über das Land wüten, durch dem Bragon die Sicht genommen wurde und Tanora verschwand.

Doch die Stunden des Glücks, welche sie beide verbracht hatten, blieben nicht ohne Frucht und so gebar Tanora einen Sohn. Doch ihr Hass auf Bragon war nicht minder, selbst nach dieser langen Zeit, und sie verstieß ihr Kind, für welches sie keine Liebe empfand. Da fand Irmorom den kleinen Jungen in der Wildnis und er hatte Mitleid mit seinem Schicksal. Er nahm das Kind in seine Arme und als er in dessen Augen schaute, erkannte er die Begabung, welche in ihm schlummerte. Er nannte das Kind Govannon, welches in der alten Sprache „der mit der Hand Erschaffende“ bedeutet. Er brachte den Neugeborenen heimlich zu den Zwergen, die fernab vom Meer tief verborgen in den Bergen lebten, und überließ das Kind ihrer Obhut, auf das sie für sein Wohlergehen sorgten.

Govannon wuchs bei den Zwergen auf und es fehlte ihm an nichts, doch behielt man seine Herkunft vor ihm geheim, weil man fürchtete, dass der Zorn Tanoras ihn ereilen könne. Gar bemerkenswert waren die Fähigkeiten Govannons schon in jungen Jahren. Mit seinen Händen konnte er Dinge in einer Schönheit erschaffen, welches ihresgleichen suchte. Dabei war es einerlei, welches Material er nutzte. Schon nach kurzer Zeit überstiegen seine Fähigkeiten die seiner Lehrer. Doch Govannon selbst war nie zufrieden, mit allem was er erschaffen hatte. Nichts konnte seinen Wunsch nach Perfektion zufrieden stellen. Schon bald erkannte er, dass es kein bekanntes Material geben würde, welches seinen Ansprüchen gerecht wurde. So begab er sich tief in die Stollen der Zwerge, um selbst nach einem Material zu forschen, mit dem er arbeiten könne. Auf seiner Suche fand er ein Metall, welches von den Zwergen nicht abgebaut wurde. Er suchte seine Lehrer auf und fragte sie, warum keiner mit diesem Material arbeiten würde. Da antworteten sie, dass dies Eisen wäre und es kein Feuer gäbe, welches Eisen zu schmelzen vermag. Viele Versuche hätten sie unternommen, doch jedes Mal war ihr unterfangen zum Scheitern verurteilt gewesen.

Doch damit konnte sich Govannon nicht zufrieden geben. Er nahm eine genügend große Menge des Materials und mit der feurigen Hitze seines Vaters, welche mit großer Gewalt in seinen Gedanken loderte, schmolz er das harte Eisen, auf das es weich werde und in neue Gestalten geformt werden könne. Und mit dem kühlen Nass seiner Mutter, welches geschmeidig durch seinen Körper floss, härtete er das rot glühende Eisen, auf das es beständig sei. Und siehe, er hatte eine Axt geschmiedet, welche härter war als der Stein aus dem es gewonnen und doch geschmeidig genug, um nicht bei dem ersten Schlage zu zerbrechen.

Als dieses Wunder bekannt wurde, kamen viele Zwergenmeister aus dem ganzen Land zu Govannon, um von ihm zu lernen, wie das harte Eisen zu bearbeiten sei. Und mit Freude gab er zurück, was in jungen Jahren er von den Zwergen erhalten. Und obwohl er das Mannesalter noch nicht erreicht hatte, war er doch ein über alle Maßen hoch geehrter Handwerker unter den Zwergen.

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